Mittwoch, 23. März 2016

[Autoreninterview] Akram E-Bahay auf der Leipziger Buchmesse 2016


Hallo Ihr Lieben,

in meinem Messebericht zur Leipziger Buchmesse habe ich ja erwähnt, dass ich den Fantasyautor Akram El-Bahay zum Interview getroffen habe. Das Treffen war sehr angenehm und wir konnten uns entspannt unterhalten. Ihr hoffe, ihr habt beim Lesen des Interviews genauso viel Spaß!


© Bastei Lübbe
Wie bist du von der Biologie über den Journalismus zum Romanautor geworden?
Ganz am Anfang stand die Idee Journalist zu werden und dann erst habe ich überlegt, worüber ich gerne schreiben würde oder welche Themen mich privat interessieren und dann kamen die Naturwissenschaften, die mich begeistern, und dadurch kam es zum Biologiestudium. Immer mit dem Ziel, ich möchte Journalismus oder Pressearbeit machen. Dann habe ich tatsächlich nach dem Studium ein Volontariat gemacht, aber irgendwie hatte mir eine bestimmte Art von Schreiben gefehlt. Und dann hat meine damalige Freundin, die jetzt meine Frau ist, gemeint, ich solle so für mich schreiben. Sie war davon überzeugt, dass es klappen könnte und dann habe ich angefangen. Sehr mühselig zuerst, es hat sehr lang gedauert, denn man muss überhaupt erstmal lernen zu schreiben. Wie baut man Dialoge auf, den Spannungsbogen usw. Das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen und Flammenwüste ist sehr oft überarbeitet worden, aber zum Schluss ging es dann. Irgendwann war ein Punkt erreicht, ab dem lief es total gut.

Aber Flammenwüste war schon das erste Buch, das du geschrieben hast.
Genau. Daran habe ich sozusagen das Schreiben gelernt.



Und warum ausgerechnet Drachen? Woher der orientalische Einfluss kommt, ist ja mittlerweile klar, aber warum Drachen und nicht Zwerge oder so?
Da gibt es wirklich einen Satz im „Der kleine Hobbit“, der daran schuld ist und der ist ganz am Anfang der Geschichte als Bilbo Beutlin und die Zwerge sich zusammenfinden und er beweisen möchte, dass er ein tougher Kerl ist und er sagt, er würde mit den Lindwürmern in der letzten Wüste kämpfen, wenn es sein muss. Den Satz fand ich voll cool und ich bin immer an diesem Satz hängengeblieben. Und als ich überlegt habe, worüber schreibe ich in meinem Roman, bin ich so hin- und hergependelt zwischen Science-Fiction und Fantasy und dann war da dieser Satz in meinen Kopf und ich dachte, „okay, mach doch 1001 Nacht“, das kannte ich sowieso von zu Hause und bastele das mal auf Fantasy um. Dann habe ich versucht, das sehr traditionelle, das wirklich echte 1001 Nacht zu ziehen und in eine Fantasy-Geschichte zu verpacken.

Sehr gut gelungen!
Dankeschön…
© Bastei Lübbe

Haben dich reale Personen zu deinen Protagonisten inspiriert? Und wie viel Anûr steckt in dir selbst?

Reale Personen nicht direkt. Also ich könnte jetzt nicht sagen, der Charakter XY ist jetzt anlehnt an … Das habe ich zwar mal bei einer anderen Geschichte gemacht, aber da nicht. Aber vielleicht, wenn man manchmal in einem Film eine Person sieht, hat man das Gefühl, die geht in diese Richtung. So ungefähr würde ich mir auch Anûr oder Masul vorstellen und dann habe ich diese Liste im Kopf. Aber nicht so ganz konkret.
Anûr selber hat von mir eigentlich eine ganze Menge, mehr als ich das wahrscheinlich selber so mitkriege. Da ich die Geschichte ja überwiegend aus seiner Sicht schreibe, das fällt mir leicht. Schwieriger war es z. B. die weibliche Sicht darzustellen. Da musste ich mich schon echt versuchen, habe meine Frau oft gefragt, ob sie sich jetzt so verhalten würde oder nicht. Sonst ist es im Prinzip nur die männliche Sicht mit weiblichem Namen und das wollte ich auf keinen Fall. Aber Anûr habe ich wahrscheinlich einfach beschrieben und da ist dann auch von mir viel drin.

Da du deine Frau gerade erwähnst, ist sie auch dein größter Kritiker? Und liest sie immer sofort, was du geschrieben hast?
Ja. Sie liest immer die allererste Fassung und gibt mir dann immer Feedback und sagt, „Nee, das geht so gar nicht“ oder „Das verstehe ich nicht“. Und das ist sehr hilfreich, denn die erste Fassung ist sowieso immer ganz schrecklich. Ich überarbeite es dann erst mit ihren Anmerkungen und dann geht das erst auf den offiziellen Weg zur Agentur und dann zum Verlag.
© Bastei Lübbe

Es geht trotzdem noch über die Agentur?

Genau. Das ist auch ganz hilfreich, denn die gucken auch nochmal, ob ihnen noch was auffällt oder noch so ganz grobe Sachen drin sind. Dann hat man ein relativ rundes Bild und kann es in den Verlag geben. Und die Lektorin ist ohnehin immer ganz knallhart.

Im Herbst erscheint ja bereits der 3. Teil deiner Flammenwüste-Reihe - Der feuerlose Drache. Bei der Lesung hast du ja bereits erzählt, dass die Trilogie dann tatsächlich beendet ist. Warst du auch ein wenig wehmütig, als du das Ende geschrieben hattest?
Ja, es gab so einen ganz kurzen Moment, wo das so war. Ich habe ja einen Abgabetermin und das ist natürlich relativ gedrängt. Ich kann mich dann nicht so ganz in solche Momente fallenlassen, aber es gab so ein zwei Situationen, wo ich dachte „wow, das war jetzt der letzte Satz“. Das war ganz kurz ein bisschen seltsam. Aber ich glaube, so richtig komisch wird’s, wenn ich dann die Druckfahne abgebe, weil das ist dann der Moment, indem ich richtig loslasse. Ich bin jetzt gerade mitten in der Überarbeitung und hab jetzt noch so 20 Seiten, und ich finde immer noch Sachen, die mir nicht gefallen, die nicht schön sind und bin noch voll im Prozess. Aber wenn dann die Druckfahne kommt, wird’s komisch.

Und wenn du dann das fertige Buch in der Hand hast, überwiegt wahrscheinlich der Stolz, oder?
Ja klar. Also, ich muss sagen bei Band 1 war das schon komisch. Das war ja überhaupt mein allererstes Buch. Das zu sehen, wirkte ganz fremd. Ich kenne Flammenwüste ja nur auf dem Bildschirm und finde es ganz komisch, es gedruckt zu sehen. Und ich hatte auch ein bisschen Angst, reinzugucken und Fehler zu finden. Nicht nur so Tippfehler, die immer noch sein können, aber vielleicht Logiklöcher oder so, wo ich dann denke „Gott, was hab ich denn da gemacht“. Ist nichts drin, also ich habe nichts gemerkt, aber die Angst war einfach da und mittlerweile geht das.

© Bastei Lübbe
Liest du es dann auch nochmal, wenn es fertig gedruckt ist?
Nee, das lese ich dann nicht nochmal. Ich habe es vorher so intensiv gelesen, aber dann nicht mehr. Komisch, oder seltsam war, die Hörbuch-Variante zu hören. Das gibt es ja immer nochmal an Hörbuch und das ist dann nochmal was ganz anderes. Dann habe ich die Stimme von Thomas Schmuckert, das ist der Hörbuch Sprecher. Und dann kann ich mich zum Teil an die Sätze erinnern, oder auch nicht. Ich kann mich jetzt nicht an jedes Wort erinnern, was ich geschrieben habe und das ist dann schon ein bisschen schräg, ehrlich gesagt.

Hörbuch klingt spannend. Ich selbst habe noch keine Hörprobe gehört. Verändert Thomas Schmuckert beim Lesen auch die Stimme, so wie du bei deiner Lesung?
Ja, macht er. Er ist Schauspieler und das merkt man auch. Er kann sich total gut reinversetzen und das Schöne war, es gab so ein paar Szenen, bei denen ich eine Vorstellung im Kopf hatte, wie man das wohl lesen könnte, und dann zu hören, wie er das macht… Ganz anders, aber auch voll cool. Das ist echt schön, wie er das interpretiert. Dann ist es nicht mehr so ganz meine Geschichte, aber irgendwie doch noch.

Arbeitest du bereits an einem neuen Projekt oder trennst du das? Machst du erst ein Projekt zu Ende?
Ich bin schon mittendrin, jetzt noch in der Konzeptionsphase zum neuen Projekt. Ich hatte auch direkt nach Flammenwüste, als ich das fertig geschrieben hatte, aber noch kein Verlag dran war, noch etwas anderes gemacht, ein anderes Projekt geschrieben, aber dazu habe ich noch keinen Verlag gefunden. Also so ganz konkret sitze ich noch nicht an einem neuen Projekt. Ich erstelle erst noch den Plot. Den ersten Satz habe ich schon im Kopf, aber momentan schaue ich noch wie die Geschichte ungefähr aufgebaut wird und wie könnten die Charaktere heißen. Momentan also noch ein ganz lustiger Prozess, weil ich so viele Ideen habe und dann sind sie wieder weg, es verändert sich noch ständig. Ich bin mal gespannt, was es nachher wird.

Kannst du schon etwas zu neuen Ideen verraten?
Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es wieder Fantasy wird, High Fantasy, wieder über drei Bände. Wie hoch der Orientanteil ist, weiß ich noch nicht ganz genau. Ich hätte ihn gern noch ein bisschen mit drin. Mal schauen. Ansonsten kann ich noch nicht viel verraten.

Mit deinem Debüt hast du ja 2015 den Seraphpreis gewonnen. Hat sich seitdem etwas für dich verändert? Wie gehen die Leute bzw. die Verlage auf dich zu?
Der Preis hat schon viel bewirkt, viel Aufmerksamkeit auf Flammenwüste gezogen und hat dem ganzen Projekt Flammenwüste definitiv einen Schub gegeben. Wenn etwas über mich geschrieben wird, wird immer Bezug auf den Preis genommen. Der Verlag hat beim E-Book auch das Cover verändert mit dem Seraph drauf und bewirbt auch den zweiten Band damit, dass der erste den Preis gewonnen hat. Und das zieht definitiv. Das ist wichtig, so etwas zu haben. Das ist schon sehr sehr hilfreich. Es gibt zwar ein paar Fantasy-Preise, aber nicht so viele. Es gibt den Deutschen Phantastik-Preis und den Seraph und die „mainstreamigeren“ Preise wie den Rattenfänger-Preis der Stadt Hameln usw., aber diese beiden konkreten Preise sind schon sehr wichtig.

Als unbekannter Autor gleich bei einem großen Verlag zu unterschreiben, war natürlich ein Glücksgriff. Hast du lange Klinkenputzen müssen?
Ja, definitiv. Das war schon ein Weg vom Manuskript zur Agentur zum Verlag. Wobei der Weg zur Agentur verhältnismäßig schnell ging. Ich habe ganz wenige angeschrieben und eine hat das auch sofort geprüft und die andere, die ich jetzt habe, das ist die Agentur Skripts aus Berlin, die haben gesagt „ja klar, machen wir“. Aber dann war es etwas schwieriger, einen Verlag zu finden. Das Orientthema ist eben nicht so etabliert, und man war sich nicht so sicher, ob das läuft oder nicht. Und bei Lübbe hat man zu dieser Zeit eine Drachengeschichte gesucht und die Lektorin von Lübbe hat dann dankenswerterweise gesagt „okay, wir machen das“. Das ist ja für so einen großen Verlag auch immer ein Risiko, einen unbekannten Autor unter Vertrag zu nehmen. Das war also echt gut!

Der Titel Flammenwüste – war das deine Idee, oder kam das vom Verlag?

Das kam vom Verlag. Alles was vorne drauf ist, kommt vom Verlag. Ursprünglich hatte ich einen anderen Titel im Kopf – Das Wort der Wüste – da hatte ich so Herr der Ringe im Kopf. Der Verlag war sich nicht so sicher, denn die wollten ja den Drachenaspekt nach vorne stellen. Die Lektorin meinte dann Flammenwüste, das hat mir gut gefallen und dann war’s das auch.

Jetzt würde ich gern noch wissen, wie dein Arbeitsalltag so aussieht. Hast du feste Schreibzeiten? Irgendwelche Rituale?
Das Schreiben mache ich ja nicht als Hauptjob, deshalb muss ich das in meinen ganz normalen Alltag integrieren. Also ich schreibe, wenn dann abends oder am Wochenende. Lieber am Wochenende, ehrlich gesagt. Denn, wenn ich sehr früh aufstehe, vielleicht so gegen sechs, dann habe ich sehr viel Ruhe zum Schreiben. Das ist sehr hilfreich. Am liebsten habe ich es komplett still und dann geht’s eigentlich sehr gut mit dem Schreiben. Feste Zeiten sind ganz wichtig, weil man dann einfach weiß „jetzt muss ich schreiben“. Die Überwindung sich hinzusetzen und was zu machen, ist dann nicht so da. Auch wenn die ersten 20 Sätze vielleicht Schrott sind, aber danach läuft’s. Und wenn ich weiß, acht Uhr abends sitze ich am Rechner oder sechs Uhr morgens am Sonntag, dann läuft’s auch.
Es gibt ja auch Abgabetermine und da muss man sich schon genau ausrechnen, wie viele Seiten man pro Tag schaffen muss. Man muss schon sehr diszipliniert sein. Wie bei einem großen Projekt muss man sich die Meilensteine vorstellen – Entwurf fertig, Überarbeitung fertig usw. und das muss man dann auch wirklich einhalten.

Und was machst du, wenn du dir nicht gerade fantastische Geschichten ausdenkst? Hast du zeitaufwendige Hobbies?
Mein anderes wirklich großes Hobby ist Kochen. Das entspannt total. Ist eine schöne Ergänzung zum Schreiben, weil es nicht so kopflastig ist. Man macht was mit den Händen, schnibbelt, rührt usw. Man kann trotzdem auch kreativ sein, was ich sehr schön finde. Man kann mal was ausprobieren. Ja, das ist mein anderes großes Hobby, auch wenn meine Kinder das meistens nicht essen. Die wollen immer nur Pommes haben...

Mein Buch hat mir Akram dann natürlich auch signiert!
Lieber Akram, vielen Dank, dass du dir die Zeit für mich genommen hast. Das Interview hat mir großen Spaß gemacht und es war toll, dich persönlich kennenzulernen. Hoffentlich sehen wir uns bald bei einer Lesung wieder!


Ich hoffe, euch hat das Interview gefallen. Über eure Kommentare freue ich mich natürlich!





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