Freitag, 27. März 2015

Entschuldigung, darf ich mal kurz stören...#12


... Karen Riefflin

© Rebecca Feist
Es ist noch nicht lange her, da traf ich die sympathische Autorin während der hektischen Leipziger Buchmesse auf einen Kaffee. Wir haben uns bestimmt fast eine ganze Stunde über alles mögliche unterhalten. Besonders interessant fand ich Karens Arbeit für Serien, kein Wunder als Serien-Junkie.
Im Anschluss an die Messe habe ich mich gleich an ihren aktuellen Thriller gemacht und sie hat sich meinen Fragen gestellt...




 
Welches war dein Lieblingsbuch als Kind?
Direkt mal die schwerste Frage zuerst =). Es gibt so viele Bücher, die ich liebe, und das war als Kind auch schon so. Aber die Madita Romane von Lindgren, die Gulla-Reihe von Sandwall-Bergström und die Bille & Zottel Romane von Caspari waren ganz weit vorne dabei. Keine Ahnung, wie oft ich die gelesen habe.

Welches Buch mochtest du in letzter Zeit besonders?
Die „Game Of Thrones“ Reihe von George R. R. Martin. Ich musste mich ziemlich daran gewöhnen, dass er immer mit einer Figur ein Stück geht und diese dann lange Zeit nicht weiter erzählt. Manchmal habe ich sogar zurückblättern müssen, weil die Lücken so lang waren und ich nicht mehr wusste, wo ich die Figur verlassen hatte. Trotzdem (bis auf Band 4) finde ich die Reihe erzählerisch großartig. Weil Martin seinen Figuren ohne Kompromisse treu bleibt – auch wenn das bedeutet, der Held von Band 1 stirbt am Ende des Buches. Als ich das gelesen habe, war ich platt und wusste, dieses Buch lege ich nicht mehr aus der Hand. Ich fiebere dem neuen Band schon ungeduldig entgegen.
(Band 1 steht schon eine ganze Weile in meinem Bücherregal - ich sollte mich also ranwagen?)

Von welchem Buch warst du eher enttäuscht?
„Der Ruf des Kuckucks“, wobei das vor allem an meinen hohen Erwartungen lag. Ich finde J.K. Rowling großartig. Sie macht tolle Figuren, die lebensecht und authentisch sind. „Ein Plötzlicher Todesfall“ ist eins meiner Lieblingsbücher, die Potter-Reihe sowieso. Bei dem interessanten Setting, dass sie sich für ihren ersten Krimi ausgesucht hatte, war ich sicher, dass mich ein Feuerwerk an liebenswerten, exzentrischen, kuriosen und schrecklichen Charakteren erwartet. Ich fand Roman gut und habe ihn gern gelesen, so nicht, aber dieses Feuerwerk ist ausgeblieben.

Für wie wichtig oder unwichtig hältst du Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter & Co.?
Da bin ich mit gemischten Gefühlen unterwegs. Ich komme aus der Generation, die noch ohne Handy groß geworden ist (Waaaahhhh!), insofern ist mir die Bandbreite der digitalen Welt manchmal fremd und gibt mir das frustrierende Gefühl, irgendwie in den Schuhen meiner Oma unterwegs zu sein =). Twitter habe ich bis heute nicht kapiert. Facebook mag ich aber sehr, da bin ich aktiv und finde es toll, dass ich auch mit Freunden, die weit weg sind, in Kontakt bleiben kann. Für „Ehrlich? Gefährlich?“ habe ich eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der man ein bisschen in Lillis Londoner Welt eintauchen kann. 

Welches deiner Bücher bedeutet dir am meisten und weshalb? 
„Ehrlich? Gefährlich?“ ist mein erster veröffentlichter Roman, also müsste das jetzt eigentlich eine klare Sache sein =). Trotzdem ist es momentan eher mein neuer Roman, der hoffentlich noch dieses Jahr rauskommt. Das liegt vermutlich daran, dass ich immer gefühlt mit einem Bein in der Geschichte stecke, an der ich gerade arbeite. In „Ehrlich? Gefährlich?“ entscheidet ja der Leser, wie die Handlung weitergeht. Ich wollte dieses Schreibexperiment unbedingt machen und hatte viel Spaß dabei. Und noch mehr Arbeit =). Danach wollte ich eine „kleine, einfache“ Geschichte schreiben, die ein bisschen fixer von der Hand geht. Guter Plan... Und dann habe ich eine meiner Nebenfiguren das erste Mal geschrieben, und sie hat mir nach drei Seiten klar gemacht, dass sie wirklich viel zu wichtig ist für eine popelige Nebenfigur. So ist aus dem „kleinen, einfachen“ Roman eine Reihe geworden. Ich liebe solche Momente, in denen die Geschichte oder die Figuren mir das Heft aus der Hand nehmen und rufen: Hier geht’s lang! Mir nach! Das kann man nicht planen und oft passiert es auch nicht. Aber wenn, dann ist es großartig. Im Moment habe ich jedenfalls richtig viel Spaß und bin schon gespannt, wie die Geschichte ankommen wird. 
(Ich bin auch sehr gespannt!)

Liest du lieber „altmodisch“ Print oder „neumodisch“ E-Book?
Ich mag beides. Es gibt für mich immer noch nichts Gemütlicheres, als abends mit einem Buch im Bett zu liegen. Da mutiere ich direkt wieder zu einer Dreijährigen, der eine Gutenachtgeschichte vorgelesen wird. Ohne fühlt sich der Tag auch irgendwie nicht wie ein richtiger Tag an. Wenn ich allerdings unterwegs bin, auf Reisen oder in der Bahn, dann sind Ebooks einfach praktischer. Außerdem platzt mein Bücherregal eh aus allen Nähten =).

Was liest du zur Zeit?
 „Die Listenluder“ von meinen Autorinnenkolleginnen Christin Burger, Sofia Karassawas und Lydia Schuth. Eine sehr witzige und warmherzige Romanreihe über drei ungleiche Freundinnen, die sich nach vielen Jahren wieder treffen und feststellen, dass sie ihr Leben mehr oder weniger vor die Wand gefahren haben. Und dann erinnern sie sich, dass sie als Jugendliche eine Liste gemacht haben mit Wünschen, die sich unbedingt erfüllen wollten. Haben sie natürlich nicht, also beschließen sie das nachzuholen. Das Chaos ist vorprogrammiert. Wunderschön! Kann ich nur empfehlen.
(Klingt toll - danke für den Tipp!)

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung, wenn du nicht schreibst?
Lesen und Sport. Und ich bin gerne draußen und streife zu Fuß durch Berlin. Da bekomme ich immer die besten Ideen. 

Mit wem würdest du gern einen Tag tauschen und warum? 
Mit der Königin von England. Nicht weil ich glaube, Krone steht mir, obwohl... =). Nee, sie spielt eine Rolle in meinem neuen Roman, und es wäre toll zu wissen, wie ein Tag in ihrem Leben wirklich abläuft. 

Wer oder was ist deine wichtigste Inspiration?
Bücher natürlich. Weil jeder Roman einen in andere Welten mitnimmt. Aber die Inspiration für eigene Geschichten kommt oft eher unverhofft. Durch ein Gespräch, das man in der Bahn überhört oder etwas, das man sieht, wenn man spazieren geht. Insofern: Menschen. Und das Leben.


Liebe Karen, es war wirklich großartig, dich persönlich kennen gelernt zu haben und ich habe unser Gespräch sehr genossen. Vielen Dank, dass du meine Fragen so toll beantwortet hast! Hoffentlich bis bald!


© Rebecca Feist
ÜBER DIE AUTORIN
Karen Riefflin liebt Geschichten. Und England. Deshalb hat sie an der Universität Hamburg Anglistik studiert – trotz der weit verbreiteten Meinung, dass man sich damit in erster Linie für ein Leben als Taxifahrer qualifiziert. Um für diesen ehrenwerten Beruf die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, folgten ein Studiengang „Creative Writing“ an der Lancaster University und das Studium sehr vieler Krimis (um für die Wartezeiten am Taxistand gerüstet zu sein). Bedauerlicherweise hat es mit der Karriere im Straßenverkehr nicht geklappt. Stattdessen ging Karen Riefflin als Autorin zu „Verbotene Liebe“ nach Köln. Sie hat in den folgenden Jahren für verschiedene Fernsehserien gearbeitet und lebt inzwischen als freie Autorin in Berlin. (Quelle: Droemer)

WERKE 
Ehrlich? Gefährlich?: Der Roman Deiner Entscheidungen, 2013-09 gelesen
Waterkant in Mörderhand, 1999




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